FILEO Straffälligenhilfe
Der Verein FILEO engagiert sich seit vielen Jahren im Bereich der christlichen Straffälligenhilfe und hat seinen Sitz in Cieszyn (100 km südwestlich von Krakau). Im November 1989 besuchten polnische Christen aus verschiedenen Gemeinden das erste Mal ein Gefängnis in Südpolen. Dies war der Beginn einer regelmäßigen Arbeit, die im März 1998 zur Gründung des Christlichen Vereins für Resozialisierungshilfe FILEO geführt hat. Seit 1989 bis Herbst 2008 sind die Mitarbeiter in 24 Strafanstalten mit ungefähr 8.000 Gefangenen ins Gespräch gekommen. Momentan ist der Verein regelmäßig in Cieszyn, Lubliniec, Bielsko-Biała und Nysa zu Besuchen in Gefängnissen.
Die Vereinsarbeit gliedert sich in folgende Tätigkeiten:
- regelmäßige evangelistische Treffen für Gefangene, biblische Vorträge, individuelle Gespräche, Konzerte;
- materielle Hilfe für Häftlinge und deren Familien
- Arbeit mit Familienangehörigen von Inhaftierten (z.B. an Weihnachten und zum Kindertag)
- persönliche Besuche bei Gefangenen und Briefkontakt mit ihnen
- Unterstützung nach der Haftentlassung: Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, Integration in eine Gemeinde, vorübergehende Aufnahme von Haftentlassenen bei Mitarbeitern, gemeinsame Besuche bei ehemaligen Gefangenen
- Treffen, Schulungen, Konferenzen für Mitarbeiter und ehemalige Häftlinge
FILEO hat einen hauptamtlichen Mitarbeiter (Romek Neumann), der von ungefähr 15 Ehrenamtlichen in der Arbeit unterstützt wird. Seit Mai 2008 ist auch unsere Mitarbeiterin Ina Bonk in Cieszyn, um die Vereinsarbeit aktiv mitzugestalten. Dadurch ist im April 2009 im Rahmen der Gefängnisarbeit das Angebot eines Deutsch-Kurses auf Grundlage der Bibel als neuer Aufgabenbereich hinzugekommen. Der Unterricht findet wöchentlich statt und vermittelt den Häftlingen über biblische Texte sprachliche und grammatikalische Grundlagen. Neben der deutschen Sprache sollen die Gefangenen den lebendigen Gott kennen lernen, der allein eine echte und bleibende Veränderung in ihrem Denken und Leben möglich machen kann.
"Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene." (Hebräer 13,3)
Zeugnis von Julian
Julian kam schon als Jugendlicher durch Diebstähle mit dem Gesetz in Konflikt. Die Folge war bald der erste Aufenthalt im Gefängnis. Nach seiner Entlassung wurde er rückfällig und erneut verurteilt... Er verbrachte dadurch insgesamt 20 Jahre in Haft.
Wir lernten ihn 1991 im Cieszyner Gefängnis kennen. Nach einem unserer Treffen bekannte er Gott seine Sünden und übergab Ihm sein Leben. Zwei Jahre später betete er während unseres Treffens weinend: „Herr, Du weißt, wie sehr ich aus dem Gefängnis heraus will, aber es geschehe Dein Wille, nicht meiner.“
Am nächsten Tag war er frei! Er hielt ein Schreiben in der Hand, das vom polnischen Präsidenten unterschrieben und mit dem Vermerk versehen war: „mit sofortiger Wirkung entlassen“.
Einige Wochen später schrieb Julian uns: „Am 1. Juni bin ich 58 Jahre alt geworden. Das ist viel, nicht wahr? Aber im Herzen und in der Seele fühle ich mich jung, weil in meinem Herzen mein Herr Jesus Christus wohnt. Auch hier in Freiheit weiß ich, dass Er bei jedem Schritt bei mir ist. Er segnet mich in allem. Ich weiß, dass Er mich liebt und dass ich Ihn auch liebe.“
Am 28. April 1995 starb Julian an Lungenkrebs. Einige Tage vor seinem Tod war er im Krankenhaus. Trotz großer Schmerzen war er ein strahlendes Zeugnis für seine Umgebung. Er wiederholte lächelnd: „... ich weiß, dass ich schon bald mit meinem Herrn Jesus Christus zusammen sein werde und das ist mein Trost.“
Die Mitarbeiter im Krankenhaus konnten kaum glauben, dass dieser ruhige Mensch fast die Hälfte seines Lebens im Gefängnis verbracht hatte.
